Es gilt, einen Zustand an Bewusstheit zu erreichen, in dem du durch nichts zu beeindrucken bist, in dem du inneren Abstand zu den Dingen hast. Wie schaffst du das? Du kannst es den ganzen Tag über ausprobieren. Deshalb sage ich auch, dass dies eine wirklich gute Methode ist. Du kannst dir in jedem Moment darüber klar werden, dass es Dinge gibt, die dich umklammert halten.
Atme ganz tief, atme tief ein, atme tief aus und schaue dir das ganze dann noch einmal an. Schaue es dir an, während du ausatmest, aber als Zeuge, als Beobachter. Gelingt es dir, auch nur für einen Moment Zeuge zu bleiben, nimmst du plötzlich wahr, dass du allein bist und durch nichts zu beeindrucken; zumindest in diesem Moment gibt es nichts, was ein Bedürfnis in dir wecken könnte. Atme tief ein und aus, wann immer dich etwas tief beeindruckt, beeinflusst, dich von dir wegzieht oder wichtiger zu werden droht, als du selbst.
Schaue es dir in dieser kleinen, durch das Ausatmen entstandenen zeitlichen Lücke noch einmal an – ein schönes Gesicht, einen schönen Körper, ein schönes Gebäude, was auch immer. Fällt es dir schwer, diese Lücke lediglich durch Ausatmen zu erzeugen, tue zusätzlich noch etwas anderes: atme sämtliche Luft in deinen Lungen aus und warte einen Moment, bis du wieder einatmest. Stopp!
Atme nicht ein. Sondern schaue es dir jetzt an. Hörst du auf zu atmen, wenn deine Lungen gerade entweder leer oder mit Luft gefüllt sind, kann dich nichts beeinflussen. In diesem Moment bist du unerreichbar – hast du alle Brücken abgebrochen.
Atmen ist die Brücke. Versuche es. Obwohl du dich nur für einen kurzen Moment als Zeuge empfinden wirst, gibt dir dies eine Ahnung, ein Gefühl, was es bedeutet, einfach nur Zeuge nur sein. Von diesem Punkt aus kannst du weitergehen. Wann immer dich während des Tages etwa beeindruckt und ein Bedürfnis weckt, atme aus, höre auf zu atmen und schaue dir die betreffende Sache an. Sie wird da sein, du wirst da sein, aber du bist nicht erreichbar. Atmen ist die Brücke.
Und plötzlich fühlst du dich so kraftvoll, so fähig. Je kraftvoller du dich fühlst, desto mehr wirst du du selbst. Je mehr Dinge von dir abfallen, je mehr deren Macht über dich schwindet, desto mehr spürst du dich. Individualität deutet sich an. Du verfügst jetzt über ein Zentrum, auf das du dich beziehen kannst; dorthin kannst du dich in jeder beliebigen Sekunde hinwenden, und die Welt um dich herum löst sich auf. Dieses Zentrum bietet dir jederzeit Schutz und die Welt hat ihre Macht über dich verloren.
Osho: Auszug aus The Book of Secrets
Anmerkung: Osho ist ein Weisheitslehrer, Mystiker und Meister, der seinen Körper 1990 verlassen hat. Aus seinen Reden sind an die 400 Bücher in unzähligen Sprachen verfasst worden.